Fotografie als Meditation

Fotografie als Meditation: Eine Reise zur Quelle der Kreativität – Torsten Andreas Hoffmann – dpunkt.Verlag

Für mich ist die Fotografie Entspannung neben einem manchmal stressigen Beruf. Also wurde ich natürlich sofort Neugierig als ich im Buchtitel die Kombination von Fotografie und Meditation gelesen habe. Und nachdem mir manchmal die Kreativität zu neuen Bildern fehlt, versprach der Untertitel ‚Eine Reise zur Quelle der Kreativität‘ auch hier Abhilfe.

Eines gleich vorab, das Buch beschäftigt sich nicht mit Blende, Brennweite und anderer Technik. Es ist keine technische 1-2-3-Anleitung. Es kümmert sich dafür um den eigentlichen Inhalt von Bildern, den Gefühlen die ein Bild visualisiert und dem Zustand in dem ein Fotograf sein kann um diese Bilder zu schießen. Und das kann es richtig gut. Das Buch hat mir geholfen meine Einstellung beim Fotografieren besser zu verstehen und damit zu besseren Bildern zu kommen – nicht mit Blende, Belichtungszeit und Brennweite.

Der Autor T.A. Hoffmann leitet in den ersten Kapiteln Zen her und beschreibt wie er in einen meditativen Zustand kommt, dem Flow. Diesen ‚Flow‘, den kenne ich. Ich habe es nie so richtig verstanden wann und warum an manchen Tagen ich viele gute Fotos in Reihe geschossen habe und manchmal Stunden gekämpft und anschließend fast kein verwertbares Bild hatte. Nach der Lektüre war es für mich verständlich was hier passiert ist. Ich hatte eben diesen ‚Flow‘ nicht und kannte auch keine Möglichkeit ihn zu erreichen. Hier hilft das Buch weiter. Der Autor gibt neben einer kurzen Anleitung wie man den ‚Flow‘ erreichen kann viele Hintergrundinformationen über Zen. Wenn man sich diese zu Herzen nimmt kann man diesen kreativen Rausch leichter verstehen und erreichen. Trotzdem ist das Buch keine esoterische Abhandlung sondern durchaus etwas für ‚gestandene‘ Fotografen.

Während des gesamten Buches werden immer wieder gedankliche Ausflüge zu anderen Fotografen oder zu Philosophen gemacht um deren Ideen mit in die Beschreibung des Wesens der Fotografie einfließen zu lassen. So stellt sich Hoffmann im 9ten Kapitel die Frage ob die Fotografie nicht ein Leben aus zweiter Hand ist, oder versucht im 11 Kapitel die Dualität des Lebens von ich und der Umwelt aufzulösen. Ein interdisziplinärer Ausflug der allein schon die Kreativität beflügelt.

Kapitel 17 dient bei mir als Ideengeber. Es sind die neun Zen Grundstimmungen die Hoffmann mit seinen eigenen, sehr guten Bildern visualisiert und die man als Ausgangspunkt für seine eigenen Interpretationen verwenden kann. Die Betrachtung der Bilder zusammen mit der Beschreibung regt die Fantasie an und ich hatte sofort einige Bildideen die jetzt bei nächster Gelegenheit umgesetzt werden.

Hören sich einige Kapitel zunächst sehr theoretisch an, so schafft es Hoffmann immer wieder den Bogen zur Realität zu spannen, die Ansichten des Zen mit einzubauen und anhand von seinen Bildern zu beschreiben was genau im Text gemeint ist. Die gute und ausgewogene Kombination aus Text und Bildern hilft dabei auch schwierigere Passagen zu verstehen. Der Schreibstil von Hrn. Hoffmann wird dabei nie langweilig oder schwer, sondern regt zum weiterlesen an. Am Ende des Buches war ich nicht nur motiviert zur Kamera zu greifen, sondern habe auch wieder zurück zu einigen Kapiteln geblättert um mir die Bilder nochmals anzuschauen oder die ein oder andere Passage nochmals durchzulesen.

Beim lesen und betrachten eines Buches zählt aber auch die Haptik, das Gefühl der Wertigkeit. Hier hat der dpunkt Verlag wieder eine sehr gute Arbeit abgeliefert. Der Einband ist sehr gut gestaltet. Die Bilder sind auf qualitativ sehr hochwertigem Papier gedruckt bei dem das Betrachten Spaß macht.

Fazit: Von mir gibt eine klare Empfehlung. Speziell für alle, die das Besondere lieben und sich Gedanken über mehr als nur Blende und Belichtungszeit machen wollen.

Schreibe einen Kommentar